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4 Lerndomänen - Zusammenhänge und Unterschiede

E-Learning

Das Präsenz-Lernen hat historisch gesehen seinen Ursprung in der Zeit, als mediale Zwischenspeicher für Informationen - z. B. Bücher - noch nicht oder nicht für alle zur Verfügung standen. Lehrende und Lernende mussten zur Wissensvermittlung zusammenkommen. Die klassische "Vorlesung" ist der Prototyp des Face-to-face-Lernens. Das zeitgleiche Zusammenkommen an einem bestimmten Ort ist nicht nur zeit- und kostenintensiv; solche Lernprozesse weisen i. d. R. auch ein hohes Mass an Fremdsteuerung auf. Rituelles Lernen oder "Lernen im Gleichschritt" ist allzu oft die Folge. Das muss nicht so sein. F2F-Lernsituationen verfügen nämlich über ein hohes Mass an interaktiver und kommunikativer Potentiale. Dies macht man sich z. B. bei Gruppendiskussionen, Brain Storming, in Qualitätszirkeln oder beim Coaching zunutze - auch und gerade in Zeiten der elektronischen Medien. Beim Präsenz-Lernen dominieren eindeutig die primären Medien, heute mehr und mehr unterstützt durch Präsentations-Medien - sekundäre (z. B. Schaubild), tertiäre (z. B. Lehrfilm), auch quartäre wie z. B. bei PowerPoint- oder Online-Präsentationen. Wegen der grundsätzlichen Orts- und Zeitgleichheit solcher Lernsituationen ist das Präsenz-Lernen für viele betriebliche Weiterbildungsmassnahmen heute immer weniger geeignet.

Das Distanz-Lernen in der Form des Fernstudiums, Telekollegs oder Funkkollegs geht zurück auf die Möglichkeit der raum-zeitlichen Entkopplung des didaktischen Dreiecks Lehrende - Lerngegenstand - Lernende aufgrund der allgemeine Verfügung medialer Informationsspeicher (Bücher, Skripten, Zeitschriften). Das Fernlernen stellt i. d. R. höhere Ansprüche an die Fähigkeit zum selbstgesteuerten Lernen und ist nicht zeit- und ortsgebunden, wodurch es flexibler und kostengünstiger einsetzbar ist. Fernlernen beruht auf dem Einsatz von sekundären (z. B. Lehrbriefe), tertiären (z. B. Ton- oder Videokassetten) und neuerdings auch quartärer Medien (z. B. multimediale Lernprogramme auf CD-ROM). Dem Fernlernen in der bisherigen Form ermangelt es entscheidend an der kommunikativen Dimension, was eine dialogische Generierung von Wissens behindert. Deshalb werden Fernlehrgänge häufig mit Studienzirkeln (Präsenz-Lernen) kombiniert.

Beim Online-Lernen werden primäre Elemente des Präsenz-Lernens und des Distanz-Lernens kombiniert: orts- und zeitunabhängig und interaktiv/kommunikativ und sehr schnell verfügbar. Trotzdem stellt das - professionell organisierte - Online-Lernen nicht bloss eine Mischform von Präsenz- und Distanz-Lernen dar.

Online-Lernen beruht ausschliesslich auf vernetzten quartären d. h. elektronischen Medien oder Neuen Medien, was eine eigenständige neue Form des Lernens ermöglicht. Online-Medien erfordern deshalb auch eine neue Form des Informations- und Kommunikations-Designs. Das "Einscannen" oder Übertrag von Inhalten aus den alten Medien ist hinsichtlich der Neuen Medien nicht nur nicht "mediengerecht", es schöpft auch deren Kapazität bei weitem nicht aus. Online-Lernen erfordert ein hohes Mass an Selbststeuerung seitens der Lernenden. Charakteristisch ist die Form des "verteilten Lernens" oder "Collaborative Learning" in "Learning Communities". Da die Vernetzung i. d. R. über das Internet erfolgt - oder über unternehmensinterne Intranets, die sich der Internet-Technologie bedienen - wird Online-Lernen auch als WBT (Web-Based Training) bezeichnet. Seine eigentliche Bedeutung im Rahmen des beruflichen Lernens erfährt Online-Lernen durch eine überlegte Konzeption, die seine Potentiale ausschöpft und seine Integration in betriebliche Konzepte und Systeme des Wissens-Managements. Nur in diesem Rahmen lassen sich dann auch Aufwand und Ertrag angemessen einschätzen.

E-Learning bezieht sich auf den Einsatz von ausschliesslich elektronischen Lern-Medien. Darunter sind alle computer-basierten, also die Neuen Medien gemeint - deshalb oft auch als CBT bezeichnet (Computer-Based Training). Insofern deckt er sich sowohl mit dem Begriff des Online-Lernens, schliesst aber auch die sog. elektronischen Offline-Medien mit ein. Darunter sind insbesondere Lernprogramme auf CD-ROM gemeint, aber auch beispielsweise PowerPoint-Präsentationen o. ä. Die Unterscheidung zwischen offline und online war ursprünglich hinsichtlich der beschränkten Übertragungskapazität von Online-Netzen durchaus angebracht. Datenintensive Anwendungen mit z. B. Videosequenzen u. ä. waren nur als Offline-Anwendungen (auf CD-ROM) sinnvoll. Zwischenzeitlich gibt es aber einerseits immer mehr sog. "hybride" Anwendungen, bei denen die datenintensive Grundanwendung auf Datenträger gespeichert ist und die laufende Aktualisierung und die Vernetzung und Dialogisierung online erfolgt. Ausserdem verliert die Unterscheidung zwischen offline und online immer mehr an Bedeutung, im Zuge der Entwicklung und des Ausbaus immer leistungsfähiger breitbandiger Hochgeschwindigkeits-Netze. Insofern scheint es auch gerechtfertigt, dass Online-Lernen und E-Learning oft synonym verwendet werden. Aus der Abbildung wird ersichtlich, dass Online-Lernen stets auch E-Learning ist, E-Learning aber nicht ausschliesslich Online-Lernen, obwohl E-Learning heute oft mit Online-Lernen begrifflich gleichgesetzt wird.

(aus: N. Lang: Einführung in medienunterstütztes Lernen. In: Hesse, F. et al. (2001): E-Learning. Die Revolution des Lernens gewinnbringend nutzen. Stuttgart, Klett-SatCom - im Druck)

 

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