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Was kann die moderne Soziologie bieten?

Wenn man Sozialwissenschaft nicht als Selbstzweck betrachtet, sondern praktischen Nutzen von ihr erwartet, kann sie folgendes leisten:

Sie hilft, einzelne Ergebnisse und Beobachtungen (Primärerfahrung) nicht isoliert - und damit ohne Aussicht auf Verständnis ihrer Ursachen und Bedeutungen - zu sehen, sondern sie als Teil umfassender gesellschaftlicher Strukturen, u. a. als Auswirkungen von Wertsystemen und Schichtungsordnungen, interpretierend zu verstehen.

Sie hilft, die Relativität der Werte und Verhaltensweisen der eigenen Umwelt und Zeit zu erkennen und fördert damit die Fähigkeit- und zuweilen die Bereitschaft-, die Verhaltensweisen von Angehörigen anderer Sozialgebilde und Kulturkreise zu verstehen und sich einfühlend in ihre Lage zu versetzen. Dies ist natürlich eine Voraussetzung jeder gesellschaftlichen Zusammenarbeit auf allen Ebenen: wobei es darauf ankommt, nicht nur ‚literarisch'- unverbindlich zu wissen und zu ‚verstehen', sondern mit- handelnd zu ‚begreifen' (Elton Mayo).

Sie hilft, den dynamischen Charakter von Verhaltensweisen und Gesellschaftsstrukturen insbesondere in unserer Zeit verständlich zu machen und hiermit die Panik zu bekämpfen, die aus mangelndem Verständnis komplizierter und sich rasch wandelnder gesellschaftlicher Strukturen entspringt und die beispielsweise heute so oft zu deklamatorischen Anklagen und "Vermassung und der ‚Massen' überhaupt führt". Soziologie darf jedoch keinesfalls als "Heilslehre" missverstanden werden, die "innere Ruhe" suggeriert. Vielmehr ist Soziologie der Versuch, die menschliche Rationalität auf zwischenmenschliche Phänomene und Probleme - kritisch und selbstkritische - anzuwenden, um immer mehr Menschen es zu ermöglichen, aus der Rolle manipulierter Objekte in die selbstbewusst handelnder Subjekte überzuwechseln. Die Beschäftigung mit der Soziologie bewirkt eher eine - produktive und kreative - Unruhe / Unsicherheit als - einschläfernde und entsensibilisierende - Selbstsicherheit.

Soziologie soll also immer wieder aufs neue eine Sensibilisierung für gesellschaftliche Erfahrung und gegenüber sozialen Problemen bewirken und darüber hinaus in "soziologische Phantasie" (Georg Simmel), d. h. Mut und Bereitschaft neue Wege bei gesellschaftlichen Veränderungen zu beschreiten, einüben.

(In Anlehnung an R. F. Behrendt: Der Mensch im Licht der Soziologie; Stuttgart 1962; S. 17 f)

Gesellschaftliche Funktionen der Soziologie

1. Zerstörung von Vorurteilen, Beseitigung von Irrtümern und Aufklärung über die "wirklichen" Vorgänge in der Gesellschaft.

2. Information über das, was sich in einer Gesellschaft zuträgt, um den Menschen einen umfassenden Überblick über ihr Dasein zu ermöglichen.

3. Hilfestellung bei der Beseitigung akuter sozialer Probleme wie z. B. Armut, Einsamkeit im Alter, Diskriminierung von Minderheiten, Jugendkriminalität, Chancengleichheit in der Ausbildung usw.
"Krisenwissenschaft"

4. Unterstützung der Praktiker in Politik und Wissenschaft und Verwaltung durch Information, so dass dort ein zielbewusstes und angemessenes Handeln möglich ist.
"administrative Hilfswissenschaft"

5. Umformung der gesellschaftlichen Einrichtungen, so dass dem einzelnen eine optimale Befriedigung seiner sozialen und psychischen Bedürfnisse möglich wird.
"Mittel zur Veränderung der Gesellschaft"

6. Lieferungen von Beiträgen zum wirkungsvollen und reibungslosen Zusammenspiel von Institutionen und Organisationen in der Gesellschaft.
"Sozialtechnologie"

7. Unterbreitung von Vorschlägen für den Aufbau einer besseren und gerechteren Gesellschaft.
"Sozialphilosophie"

(In Anlehnung an Renate Mayntz (Hg.): Soziologie im Studium; Stuttgart 1970; S. 102)

 

© 16.02.01 NL