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Die Klarheit der Begriffe

Es wird von einem griechischen König berichtet, der nach seiner Wahl einen Weisen fragte, was das Wichtigste in seinem Amt wäre und die Antwort erhielt:


"Das Wichtigste ist die Sorge
für die Klarheit der Begriffe!"

Gelegentlich gewinnt man den Eindruck, dass viele Irrwege und Missverständnisse uns erspart blieben, wenn wir frühzeitig für eine weitmögliche Klarheit unserer Begriffe Sorge tragen würden. Es gibt in den Sozialwissenschaften eine Vielzahl von Begriffen, die man als Skelett der Disziplin ansprechen kann. Viele Begriffe werden von einzelnen Sozialwissenschaften bzw. soziologischen Richtungen unterschiedlich definiert.


Jeder Begriff
ist eine Art "Kurzschrift"
der Verständigung.

Sie verfügt in der Soziologie über kein einheitliches Begriffs- und Kategoriensystem. Ein Begriff (Terminus) hat die Aufgabe, einen bestimmten Sachverhalt von anderer Sachverhalten, mit denen eine Verwechslung möglich wäre, abzugrenzen. Er soll also nicht wesentliches aussagen, sondern nur Unterscheidungsmerkmale aufzeigen. Daraus wird deutlich, dass ein Begriff - also ein Wort oder eine Wortkombination - niemals identisch mit dem Phänomen ist, das es bezeichnet ( vgl. Mayntz et al. 1969, S.9).


Ein Begriff ist auch keine Aussage
sondern nur Element einer Aussage.

Aussagen wiederum können wir allgemein als Bericht zu einem Tatbestand bezeichnen. Eine ganz wesentliche Bedeutung hat sie in der Logik, aber auch im Recht und in den Sprachwissenschaften. Wir können eine Aussage auch eine Erklärung nennen. Erklären heisst, eine Begründung dafür zu geben, warum ein Ereignis auftritt. Dazu brauchen wir die Begriffe, denn jede Erklärung geschieht mit Hilfe von Begriffen.


Begriffe sind Mittel
mit deren Hilfe
wir das Chaos von Eindrücken
sprachlich ordnen.

Die Bestimmung eines Begriffs geschieht durch Definition. Eine Definition ist zwar streng genommen eine Aussage, aber sie sagt nichts über ein soziales Phänomen aus, sondern nur über den Inhalt des Begriffs, den wir von einem sozialen Phänomen bilden wollen ( vgl. Bahrdt 1992, S. 16). Am Anfang einer Wissenschaft steht immer der Versuch, die Objekte und Merkmale eines Untersuchungsobjektes zu bezeichnen. Die Bezeichnung von Objekten und Merkmalen geschieht also mittels definierter Begriffe, die sich dann immer nur auf einen Ausschnitt aus der ganzen Wahrheit beziehen. Die "selektive Wahrnehmung" - d. h. "ausgewählte Wahrnehmung" - der Wirklichkeit bedeutet aber auch, dass Begriffe prinzipiell wertgebunden sind (vgl. Mayntz et al. 1969, S. 10).

Es gibt - innerhalb dieser grundsätzlichen Wertgebundenheit - allerdings Be-
griffe, die sehr spezifisch auf - oder abwertend sind und solche, die möglichst wenig bewertend sein sollen - vgl. etwa "Abtreibung" vs. " Unterbrechung der Schwangerschaft".


Begriffe beinhalten grundsätzlich ein
- mehr oder weniger eindeutiges -
Werturteil.

Die Zuordnung von bestimmten Merkmalen zu Objekten kann man vereinfacht als Definition bezeichnen. Im Zusammenhang mit der Definition werden Begriffe auch "operationalisiert", d. h. sie werden auf konkrete Erscheinungen bezogen: "X Y ist wenn...". Über Definitionen sollte Einigkeit bestehen. Alles Wissen ist immer Wissen von einem bestimmten gesellschaftlichen ( Wert-) Standort aus. Ziel jeder Wissenschaft ist die Entwicklung eines Aussagesystems, das Erklärungen für möglichst viele Problembereiche liefert.
Ein solches System von Aussagen ist eine " Theorie". Nach Jürgen Friedrichs ist jede Theorie eine Menge logisch miteinander verbundener widerspruchsfreier Hypothesen (Hypothese = Unterstellung oder Voraussetzung). Eine Theorie ist grundsätzlich nichts anderes als ein Gesetz, d. h. eine durch Beobachtung bestätigte allgemeine Aussage.


1. Deterministische Aussagen
(Naturwissenschaften):
"Immer wenn..., dann..."

2. Probabilistische Aussagen
(Sozialwissenschaften):
"Mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit gilt, dass..."
"Unter bestimmten Bedingungen ist anzunehmen, dass..."

Wir unterscheiden:
Jede bewusste Handlung setzt die Beurteilung der Maßnahme voraus und kann als Meinung, Ansicht oder Theorie bezeichnet werden - die wiederum mehr oder weniger eindeutig wertend ist.

 

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Die Klarheit der Begriffe Von den Begriffen zur Theorie
Begriff, Theorie und Wirklichkeit Begriffstypen

 

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