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Was sind Einstellungen:

Für Einstellungen gibt es keine einheitliche Definition. Die meisten Definitionen beinhalten die Komponenten Gefühle / Affekt und Beliefs (Glauben / Meinungen), also einen emotionalen und einen kognitiven Aspekt. Einige Definitionen gehen noch einen Schritt weiter und beinhalten zusätzlich eine Verhaltenskomponente. Sind die kognitiven und affektiven Komponenten inkonsistent, sollte die Einstellung zeitlich instabil sein. Die Einstellungsstrukturen werden komplexer, je mehr persönliche Erfahrungen mit dem Objekt vorliegen. Eine Definition sei herausgegriffen:

 

"Einstellung ist ein generelles / allgemeines und länger anhaltendes positives oder negatives Gefühl gegenüber einer Person, Objekt oder Thema."
(Petty & Cacioppo, 1981)

 

Um was geht es bei der Einstellungsforschung?

Die Einstellungsforschung beschäftigt sich u.a. mit zwei großen Themenbereichen: Einmal geht es darum, wie Einstellungen entstehen und wie sie beeinflusst bzw. geändert werden können. Unter welchen Bedingungen verändern sich Einstellungen und welche Elemente sind hier zu beachten? Ein weiteres Forschungsgebiet ist der Zusammenhang zwischen Einstellungen und dem Verhalten von Personen. Eine wichtige Frage ist, lässt sich Verhalten aus den Einstellungen, die eine Person hat, vorhersagen? Inwieweit wird Verhalten von den Einstellungen beeinflusst oder gesteuert? Zu beiden Themen sollen in diesem Kapitel die wichtigsten Theorien vorgestellt werden.

Messung von Einstellungen:

Einstellungsfragebogen aus mehreren Items zum Einstellungsobjekt mit Likert-Skala (z.B. 5 Abstufungen von "stimme vollständig zu" bis "stimme gar nicht zu"). Eine gute Skala misst sowohl die Richtung als auch die Intensität der Einstellung!
Physiologische Messungen wie Hautwiderstand, Gesichtsmuskulatur, etc. Erlaubt genaue Messung von Veränderungen, allerdings ist die Interpretation umstritten.

 

Entstehung von Einstellungen

1. Eltern

Die ersten Einstellungen nehmen wir über das Elternhaus auf. Unsere Eltern kontrollieren zu einem großen Teil die Informationen, die wir erhalten und belohnen bzw. sanktionieren geäußerte Meinungen und Verhalten. Mit den erhaltenen Informationen werden erste Kategorien mit Einstellungen, Meinungen und Werten gebildet. Im Kindesalter haben diese Kategorien mehr Einfluss auf (neue) Informationen als umgekehrt.

2. Vergleichsgruppen

Mit zunehmendem Alter werden Vergleichsgruppen (also Gruppen, an denen man sich orientiert) immer wichtiger. Sie bilden die Basis zum Vergleich von Einstellungen, Meinungen und auch Verhalten. Vor allem im Jugendalter hat die peer-group einen großen Einfluss.

3. Konditionieren

Es wird angenommen, dass Personen Verhalten anstreben, welche das Sich-gut-fühlen steigern. Wird ein Verhalten (oder eine Einstellung) in einer bestimmten Situation gezeigt und belohnt, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass das Verhalten bzw. die Einstellung in der gleichen Situation wiederholt wird. Dieser Vorgang funktioniert v.a. im Elternhaus, aber auch bei anderen Personen, die Macht zur Belohnung oder Sanktionierung haben. Durch bewussten Einsatz von positiven oder negativen Feedback (verbal und non-verbal!) können Verhaltensweisen und auch Einstellungen konditioniert werden.

4. Balance-Theorie (Heider, 1958)

Heider geht von einer triadischen Beziehung aus:

Die drei Elemente die zueinander in Beziehung stehen sind die Person, andere Personen (z.B. peer-group) und das Objekt, auf das sich die Einstellung bezieht. In der Triade kann es balancierte bzw. im Gleichgewicht stehende Beziehungen oder unbalancierte bzw. nicht im Gleichgewicht stehende Beziehungen geben. Dazu werden entlang der Linien des Dreiecks "+" für Übereinstimmung und "-" für keine Übereinstimmung eingetragen.

 

 

Multipliziert man die drei Vorzeichen, steht ein positives Produkt für balancierte, ein negatives Produkt für unbalancierte Beziehungen. Bsp: Person hat eine positive Einstellung gegenüber dem Objekt (+) und den anderen Personen (+). Auch die anderen Personen stehen dem Objekt positiv gegenüber (+). Hier liegt eine balancierte Beziehung vor.

 

 

Die Beziehung befindet sich im Ungleichgewicht, wenn die Person zwar der Gruppe eine positive Einstellung gegenüber hat (+), aber nicht dem Objekt gegenüber (-), wenn gleichzeitig die Gruppe aber dem Objekt gegenüber eine positive Einstellung hat (+).

Heider geht davon aus, dass Personen balancierte Beziehungen anstreben.

Liegt ein Ungleichgewicht vor, gibt es verschiedene Möglichkeiten:
a) Einstellungsänderung gegenüber den anderen Personen
b) Änderung gegenüber dem Objekt
c) Versuch, andere Personen zu einer Einstellungsänderung gegenüber dem Objekt zu beeinflussen

 

Nach diesem Einblick in das Thema Einstellungen lesen Sie bitte den Artikel über das Elaboration Likelihood Modell. Das Modell integriert eine Vielzahl inkonsistenter Forschungsergebnisse aus der Einstellungsänderungsforschung.

Stahlberg, D. & Frey, D. (1993): Das Elboration-Likelihood-Modell von Petty und Cacioppo. In: D. Frey & M. Irle (Hrsg): Theorien der Sozialpsychologie. Bd. 1 Kognitive Theorien. 2., vollst. überarb. und erw. Auflage. Bern: Huber.

Das Buch ist in der Fachbereichsbibliothek vorhanden. Sie können den Text auch
hier direkt als PDF-Dokument (35 Seiten, 139 KB) laden. Dieser Text ist gut zum Ausdrucken geeignet.

 

 

© 19.02.01 DS